Der Geburtsort des Koalitionsvertrages ist eine ehemalige Fischfabrik

Deutschland, Berlin. Sympathisch lächelnd, die vollen Haare adrett durch einen Scheitel getrennt, kommt er mir mit einer einladenden Handbewegung entgegen. Dr. Mühlenbauer, wie wir ihn hier nennen wollen, wirkt wie ein Endvierziger, obwohl er die 50 längst überschritten hat. Entschuldigend zeigt er auf den Schreibtisch und murmelt fast unhörbar etwas von Arbeitsüberlastung.


Vor Beginn unseres Gespräches bittet er mich darum - keine Fotos von ihm zu machen, lediglich der Schreibtisch mit den darauf liegenden Papieren könne abgelichtet werden. Aber alle evtl. erkennbaren Zahlen sollten nachträglich geschwärzt, oder sonstwie unkenntlich gemacht werden. Nachdem die Regularien abgesprochen sind, beginnt er mit leichtem, aber unverkennbarem schwäbischen Dialekt seine Geschichte zu erzählen:



Bis 2012 sei er beim ADAB für die Finanzen verantwortlich gewesen und habe dessen grundsolide Struktur entwickelt. Nach einer Liaison mit der Frau eines ehemaligen Vereinsvorstandes, sei ihm leider gekündigt worden. Anschließend habe er dann ein Angebot vom Deutschen Tischtennisverein erhalten - die Stelle des Vizepräsidenten für Finanzen sei damals vakant gewesen - doch sei der Umfang der zu verantworteten Geldmenge ihm kein hinreichender Anlass für eine Vertragsgestaltung gewesen.

Nach der Bundestagswahl 2013, und zwar am 23. September habe sich eine vollkommen neue Perspektive durch den Anruf eines ranghohen Politikers ergeben, des - wie sich später herausstellte - Bruders der damaligen Geliebten, während der Tätigkeit beim ADAB. Nach Beendigung dieses Telefonats sei den Beteiligten klar gewesen: Ohne große Koalition bleiben in Deutschland die Räder stehen.


Der hochstehende Politiker (weder Parteizugehörigkeit noch Name wurden von Dr. Mühlenbauer genannt) sei dann bei weiteren geheim - gehaltenen Gesprächen mit dem Vorschlag an ihn herangetreten, er solle die Leitung einer separaten, neu zu gründenden Wirtschaftskanzlei übernehmen, um die mannigfachen finanziellen Ansprüche einer großen Koalition zu koordinieren. 


Allerdings sollten die Büroräume schlicht eingerichtet werden. Jegliche Protzerei vermieden werden müsste. Und ein unauffälliger Standort sei auch von Vorteil. Er habe dann eine alte, stillstehende Fischfabrik vorgeschlagen. Danach habe er im weiteren Gespräch eingewilligt, die Funktion als Finanzkoordinator zu übernehmen, und das Büro sei eingerichtet worden.


Als erstes habe er dann ein geheimes Konto eröffnet. Die Milliarden, die durch seine äußerst guten Vernetzungen auf diesem Konto wären, würden allemal ausreichen, um die zusätzlichen Kosten für die Mütterrente, den gesetzlichen Mindestlohn und weitere vereinbarte Ausgaben der Koalition ohne Steuererhöhung zu schultern. 


Am Ende unserer Unterhaltung bat er mich noch um absolutes Stillschweigen, und mit den Worten: "Ich werde die Einnahmen und Ausgaben des Bundes so gestalten, dass der Bund ab dem Jahre 2040 einen strukturell ausgeglichenen Haushalt und beginnend mit dem Jahr 2047 einen Haushalt ohne Nettoneuverschuldung aufstellt", verabschiedete er mich.
Ein leichter Fischgeruch begleitete mich hinaus.








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