Für die Kölner Ist der Sarotti-Mohr der Nikolaus fürs ganze Jahr



TÜRKEI, Myra (heute Demre). Der Überlieferung nach war der Nikolaus Abt im Kloster von Sion. Irgendwann ist er dann ins Heilige Land gepilgert und in Myra zum Bischof gewählt worden. Dort soll er dann wundersame Dinge vollbracht haben. Das, und mehr, kann man in allen Lexika nachlesen.


Wir wollen hier aber keine Märchen wiederholen, sondern einzig und alleine Fakten benennen. Tatsache ist - und da stimmen inzwischen fast alle namhaften Historiker mit mir überein -, die ganze Geschichte muss neu erfunden werden. Schon Martin Luther lehnte übrigens die Legende um Nikolaus in einer Predigt zum Nikolausfest schon im Jahre 1527 als "kyndisch Ding" kategorisch ab. Nein, liebe Leser, die Geschichte ist in Wirklichkeit viel profaner.


Die Historie der Firma Stollwerck - einer Schokoladendynastie die in Köln fast jedes Kind kennt - fing eigentlich mit dem Zuckerbäcker Franz Stollwerck (1815 -1876) an. Dessen Vater, Nikolaus Stollwerck (1787 -1851), verkleidete sich schon zu Lebzeiten gerne und beschenkte die Kinder mit allerlei Süßigkeiten. Franz hatte das nie vergessen, und als er im Kindesalter das erste Mal etwas von einem "Nikolaus" hörte, dachte er natürlich direkt an seinen Vater. 


Franz wurde erwachsen, baute eine Schokoladenfabrik auf, und an jedem 6. Dezember verschenkte er großzügig Schokoladenstücke und Schokoladenfiguren in Andenken an seinen Vater. Da ihn keiner erkennen sollte, zog er einen roten Mantel an und klebte sich einen Bart ins Gesicht. Als Franz wollte er nicht herumlaufen, also kam er auf den Namen seines Vaters: nämlich Nikolaus.

Wiederum Jahre später verkleideten sich am 6. Dezember (das Datum ist wahrscheinlich zufällig gewählt worden) in Köln viele als Nikolaus. (Hier schimmert wohl auch der Kölner Karneval durch). Um Süßigkeiten verteilen zu können, muss man erst einmal welche haben, und die kaufte man beim Franz Stollwerck ein. Der steigerte den Umsatz durch diesen zusätzlichen Schokoladenverkauf immens. 


Trotzdem war er mit den Bruttoeinnahmen nicht zufrieden und wollte diese unbedingt erhöhen, doch mit einem Verkaufstag im Jahr konnte er dieses Ziel niemals erreichen. Er grübelte und grübelte: heraus kam der Sarottie-Mohr. Jetzt hatte er eine Figur für das gesamte Jahr. Der Mohr erfüllte beim Schokoladenverkauf alle Hoffnungen und wurde der Renner. 


Einmal im Jahr machte er dennoch selbst Werbung für seine Schokolade: als Nikolaus - manche sagen bis heute.








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