Satire - was ist das?








Eine bei den Römern entstandene Dichtart, erhielt wegen der in ihrem Wesen liegenden Buntheit des Inhalts und der Form ihren Namen von der jüngeren Form (Satira) des altlat. Wortes satura (s. d.). Völlig zu scheiden ist die S. von dem griech. Satyrspiel (s. d.), welche Verwechslung zu der falschen Schreibart „Satyre“ Anlaß gab, und von den Schmähgedichten des Archilochus. Die römische S., durch Ennius kunstmäßig gestaltet und durch Lucilius zur selbstständigen Gattung erhoben, wurde vorzüglich von Horaz, Persius und Juvenal weiter ausgebildet. Die Aufgabe der S. ist, den Widerspruch der Wirklichkeit mit dem Ideal, also die Nichtigkeit der herrschenden Thorheiten und Laster der Zeit, besonders der gesellschaftlichen Zustände und der Neigung einzelner Stände, selbst Irrungen und Verkehrtheiten des Staatslebens und der polt. Parteien in ihrer ganzen Blöße darzustellen und so auf deren Besserung und Veredelung einzuwirken. Man kann eine direkte, strafende S. (Juvenal) und eine indirekte, lachende S. (Horaz) unterscheiden. Die direkte S. hält das Ideal offen neben den gegeißelten Gegenstand und enthüllt mit bitterm sittlichen Unwillen dessen Schlechtigkeit, die indirekte S. schiebt dem gegeißelten Gegenstand den Schein der Wahrheit unter, um ihn dann durch Witz und Laune zum Bekenntnis des innern Widerspruchs zu zwingen. Die direkte verfällt oft durch scharfe Trennung zwischen Ideal und Wirklichkeit in das prosaische, die indirekte erhält sich meist auf der Höhe heiterer Ironie, oder sogar auf der des rein Komischen. Als Einkleidung eignet sich für die S. Brief, eigentliche Erzählung und Epos, Gespräch, Komödie, Lied und Fabel. Die S. blüht vorwiegend in Zeiten der Auflösung veralteter Zustände Der Niedergang Roms und das 16.Jahrh. waren ihre Glanzperioden. Doch neigt auch alle lehrhafte Reflexionspoesie naturgemäß zur S. Unter den Spaniern sind Cervantes und Quevedo, unter den Franzosen Rabelais, Boileau und Voltaire, unter den Engländern S. Butler und Swift, unter den Deutschen Hutten, die Verfasser der „Epistolae obscurorum virorum“ (s. d.) , Fischart, Moscherosch, Abraham a Santa Clara und Lauremberg als größte Satiriker zu nennen; nur die Zahmheit der deutschen Zustände des 18. Jahrh. konnte Liscow und Rabener als Satiriker gelten lassen. Eigenartig ausgebildet erscheint die deutsche S. in der Tiersage (s. d.) und im Eulenspiegel (s. d.). Auch die bildende Kunst handhabt als Karikatur die S.; schon das Mittelalter ist überaus reich an satir. Bildern. In den pol. Witzblättern der Gegenwart ist diese dichterische und bildliche S. verbunden.



Brockhaus Konversationslexikons-Lexikon.
Vierzehnte vollständig neubearbeitete Auflage
Revidierte Jubiläums-Ausgabe 1898




Ja, liebe Freunde der Satire, besser kann man es wirklich nicht sagen! 

                          




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